Beschwerden gegen Teilzonenplan Engstlenalp
aus: www.jungfrauzeitung.ch/artikel/96727/ 6. August 2009
Das Gezerre um die Engstlenalp geht in eine neue Runde. Die Stiftung Landschaftsschutz und Pro Natura erheben Beschwerde gegen den vom AGR bewilligten Teilzonenplan. Sie befürchten eine «Salamitaktik» mit der die Nutzung zusehends ausgedehnt werden soll.
Gegen den vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigten Teilzonenplan Engstlenalp haben die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Pro Natura Berner Oberland, Pro Natura Bern und Pro Natura bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern Beschwerde eingereicht. Dies geht aus einer Medienmitteilung von Donnerstag, 6. August, hervor. Die beteiligten Organisationen bemängeln, dass durch den Teilzonenplan widerrechtliche Bauten und Nutzungen legalisiert würden. Die Planung widerspreche zudem den Zielsetzungen des Landschaftsschongebiets und die Erschliessung sei nicht geregelt.
Unkoordiniertes Vorgehen
Ein weiterer Dorn im Auge der Beschwerdeführer ist, dass verschiedene Verfahren nicht koordiniert worden seien. So sind die Revision des Naturschutzgebietes Engstlensee-Jungibäche-Achtelsass und das Projekt «Schneeparadies Titlis - Melchsee-Frutt - Hasliberg» hängig, und die Gemeinde Innertkirchen erarbeite ein «Entwicklungskonzept Gental/Engstlenalp», welches verschiedene Infrastrukturen, unter anderem einen Rundweg um den Engstlensee, vorsehe. Die Schutzorganisationen bezeichnen das Vorgehen als Salamitaktik, weil es gegen das Koordinationsgebot und damit gegen einen anerkannten Grundsatz der Raumplanung verstösst. «Für Pro Natura und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hat die Engstlenalp grösste Bedeutung; die einmalige Landschaft und die Lebensräume von Tieren und Pflanzen müssen erhalten bleiben», heisst es in der Medienmitteilung. Für diese Anliegen und für einen sanften Tourismus setzen sich die SL und Pro Natura in der «Interessengemeinschaft Pro Frutt-Engstlenalp» zusammen mit weiteren Schutzorganisationen über die Kantonsgrenzen hinaus ein.
Planungsprozess seit 2003
Im Sommer 2003 wurde die Gemeinde Innertkirchen mit dem Projekt der IG Engstlenalp konfrontiert. Die Begehung mit den zuständigen Amtsstellen hat ergeben, dass die Umnutzung der Rossbodenhütte in einen Restaurationsbetrieb einer planerischen Grundlage bedarf, wie aus einem Innertkirchner Gemeindeversammlungsprotokoll hervorgeht. Davon versprach man sich die bereits vorhandenen und die geplanten Winteraktivitäten zu regeln. In der Folge wurde ein entsprechender Planungsauftrag erteilt. Der Teilzonenplan und die Nutzungsvorschriften wurden Ende 2005 zur öffentlichen Mitwirkung aufgelegt. Als der Plan Ende 2007 vor die Gemeindeversammlung kam, wurde betont, dass dieser weder ein Präjudiz für das Projekt «Schneeparadies» schaffe noch dieses verhindere. Nach intensiver Diskussion genehmigte die Gemeindeversammlung die entsprechende Planung.
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