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Melchsee-Frutt,
03.03.2008, 13:23
 

Widerstand gegen Schneeparadies

Quelle: St. Galler Tagblatt 3. März 2008
Barbara Spycher/Bern


Bergbahnen planen zwischen Hasliberg und Titlis das grösste Skigebiet der Zentralschweiz

Für ein Schneeparadies sollen bei der Engstlenalp Sessellifte gebaut werden. Naturschützer wehren sich für eine der letzten Perlen der Alpen und fürchten eine «Kunstschneehölle».

Barbara Spycher/Bern

Vor ein paar Stunden stand Hans Fritschi noch auf 2000 Metern Höhe in den verschneiten Berner Alpen, an der Grenze zu Ob- und Nidwalden: im Schaftal oberhalb der Engstlenalp, «einer der letzten Perlen der Alpen», wie er sagt. Diesmal hörte Fritschi ein Auerhuhn – eine gefährdete und seltene Vogelart – und sah ein Dutzend Gemsen. «Sie grasten mitten im geplanten Skigebiet», sagt Hans Fritschi. Die Wildtiere sind mit ein Grund, wieso er gegen das Projekt Schneeparadies Hasliberg-Titlis opponiert. Mit sechs Bahnen und einem Tunnel sollen die drei Skigebiete Melchsee-Frutt, Titlis und Meiringen-Hasliberg zum grössten Skigebiet der Zentralschweiz verbunden werden.

Die Initianten – vier Bergbahngesellschaften – wollen das Skigebiet so konkurrenzfähiger machen und vermehrt Wochengäste in die Region holen. Treibende Kraft sind die Titlisbahnen. Sie bekommen mit dem «Schneeparadies» Zugang zu sonnigen und sanften Südhängen, derweil ihre Stammpisten eher steil und schattig sind.

Umweltschützer protestieren
In einer ersten Etappe sind zwei Vierer-Sessellifte geplant: von der Engstlenalp das Schaftal hinauf sowie als Verbindung zwischen Jochpass und Schaftal. Im August wollen die Initianten beim Bund die Konzessionen für diese ersten beiden Bahnen beantragen. Gleichzeitig wollen sie Studien zum volkswirtschaftlichen Nutzen, der Verkehrssituation sowie die Umweltverträglichkeitsprüfung präsentieren.

Frühester Baubeginn wäre 2012. Doch der Widerstand von Umweltschützern und Bergführern, zusammengeschlossen zur IG Pro Frutt-Engstlenalp, ist schon jetzt gewiss.

Co-Präsident und Pro-Natura-Vertreter Hans Fritschi hat Gutachten von Wildtierbiologen in der Hand, kündigt Einsprache gegen den Konzessionsantrag an und macht klar: «Wir werden bis vor Bundesgericht gehen.» Als «eine der letzten Perlen der Alpen» müsse das Gebiet um die Engstlenalp sanft genutzt werden – mit Wanderungen im Sommer und geführten Skitouren im Winter. Das sehe auch das Tourismusleitbild des Kantons Bern vor: Intensiv genutzte Gebiete seien auszubauen, neue aber sollten keine erschlossen werden.

Fritschi spricht nicht vom «Schneeparadies», sondern von einer «Kunstschneehölle». Als die Initianten ihr Projekt 2003 das erste Mal vorstellten, war nicht von künstlicher Beschneiung die Rede. Mittlerweile sagt Albert Wyler, Geschäftsführer der Titlis-Bergbahnen, noch sei alles offen. «Um uns nicht Salamitaktik vorwerfen zu lassen, zeigen wir auf, wie wir allenfalls beschneien würden.»

Kritik am Kunstschnee
Für Fritschi ist klar: «Auf dieser Höhe und an Sonnenhängen wird es nicht ohne Kunstschnee gehen.» In dieser Gegend – einem wasserarmen Karstgebiet – sei das besonders problematisch. Und weil nur flache Pisten beschneit werden können, müsste das schroffe Karstgebiet plafoniert werden. Sollten bei der Beschneiung Chemikalien beigemischt werden, sei das heikel für das Trinkwasser, das sich hier oben sammle.

Albert Wyler von den Titlis-Bergbahnen verweist auf die Umweltverträglichkeitsprüfung und sagt, bei der Konzession ginge es nicht um die Beschneiung der Pisten. Diese müsste später separat beantragt werden. Wylers Blickwinkel ist ganz ein anderer als der von Fritschi. Doch auch Wyler findet es «wunderschön» im Gebiet Engstlenalp, insbesondere auf der Terrasse des Restaurants der Familie Immer, unweit der geplanten Talstation des Sessellifts: Von dort hat man eine atemberaubende Aussicht auf die Berner Alpen.

Gute und schlechte Touristen
Dieses Panorama sollte mehr Touristen zugänglich sein als den wenigen Schneeschuhläufern und Skitourenfahrern, findet Wyler. Er mag die Einteilung nicht in «guten sanften Tourismus» und «schlechten Massentourismus». «Wenn fünf Schneeschuhläufer querfeldein durch den Wald laufen, können sie mehr kaputt machen als 3000 Massentouristen auf einer geordneten Piste.»

El Corazon(R)

03.03.2008, 20:44

@ Admin
 

Widerstand gegen Schneeparadies

» Quelle: St. Galler Tagblatt 3. März 2008
» Barbara Spycher/Bern
»
»
» Bergbahnen planen zwischen Hasliberg und Titlis das grösste Skigebiet
» der Zentralschweiz
»
» Für ein Schneeparadies sollen bei der Engstlenalp Sessellifte gebaut
» werden. Naturschützer wehren sich für eine der letzten Perlen der Alpen und
» fürchten eine «Kunstschneehölle».

»
» Barbara Spycher/Bern
»
» Vor ein paar Stunden stand Hans Fritschi noch auf 2000 Metern Höhe in den
» verschneiten Berner Alpen, an der Grenze zu Ob- und Nidwalden: im Schaftal
» oberhalb der Engstlenalp, «einer der letzten Perlen der Alpen», wie er
» sagt. Diesmal hörte Fritschi ein Auerhuhn – eine gefährdete und seltene
» Vogelart – und sah ein Dutzend Gemsen. «Sie grasten mitten im geplanten
» Skigebiet», sagt Hans Fritschi. Die Wildtiere sind mit ein Grund, wieso er
» gegen das Projekt Schneeparadies Hasliberg-Titlis opponiert. Mit sechs
» Bahnen und einem Tunnel sollen die drei Skigebiete Melchsee-Frutt, Titlis
» und Meiringen-Hasliberg zum grössten Skigebiet der Zentralschweiz verbunden
» werden.
»
» Die Initianten – vier Bergbahngesellschaften – wollen das Skigebiet so
» konkurrenzfähiger machen und vermehrt Wochengäste in die Region holen.
» Treibende Kraft sind die Titlisbahnen. Sie bekommen mit dem
» «Schneeparadies» Zugang zu sonnigen und sanften Südhängen, derweil ihre
» Stammpisten eher steil und schattig sind.
»
» Umweltschützer protestieren
» In einer ersten Etappe sind zwei Vierer-Sessellifte geplant: von der
» Engstlenalp das Schaftal hinauf sowie als Verbindung zwischen Jochpass und
» Schaftal. Im August wollen die Initianten beim Bund die Konzessionen für
» diese ersten beiden Bahnen beantragen. Gleichzeitig wollen sie Studien zum
» volkswirtschaftlichen Nutzen, der Verkehrssituation sowie die
» Umweltverträglichkeitsprüfung präsentieren.
»
» Frühester Baubeginn wäre 2012. Doch der Widerstand von Umweltschützern und
» Bergführern, zusammengeschlossen zur IG Pro Frutt-Engstlenalp, ist schon
» jetzt gewiss.
»
» Co-Präsident und Pro-Natura-Vertreter Hans Fritschi hat Gutachten von
» Wildtierbiologen in der Hand, kündigt Einsprache gegen den
» Konzessionsantrag an und macht klar: «Wir werden bis vor Bundesgericht
» gehen.» Als «eine der letzten Perlen der Alpen» müsse das Gebiet um die
» Engstlenalp sanft genutzt werden – mit Wanderungen im Sommer und geführten
» Skitouren im Winter. Das sehe auch das Tourismusleitbild des Kantons Bern
» vor: Intensiv genutzte Gebiete seien auszubauen, neue aber sollten keine
» erschlossen werden.
»
» Fritschi spricht nicht vom «Schneeparadies», sondern von einer
» «Kunstschneehölle». Als die Initianten ihr Projekt 2003 das erste Mal
» vorstellten, war nicht von künstlicher Beschneiung die Rede. Mittlerweile
» sagt Albert Wyler, Geschäftsführer der Titlis-Bergbahnen, noch sei alles
» offen. «Um uns nicht Salamitaktik vorwerfen zu lassen, zeigen wir auf, wie
» wir allenfalls beschneien würden.»
»
» Kritik am Kunstschnee
» Für Fritschi ist klar: «Auf dieser Höhe und an Sonnenhängen wird es nicht
» ohne Kunstschnee gehen.» In dieser Gegend – einem wasserarmen Karstgebiet –
» sei das besonders problematisch. Und weil nur flache Pisten beschneit
» werden können, müsste das schroffe Karstgebiet plafoniert werden. Sollten
» bei der Beschneiung Chemikalien beigemischt werden, sei das heikel für das
» Trinkwasser, das sich hier oben sammle.
»
» Albert Wyler von den Titlis-Bergbahnen verweist auf die
» Umweltverträglichkeitsprüfung und sagt, bei der Konzession ginge es nicht
» um die Beschneiung der Pisten. Diese müsste später separat beantragt
» werden. Wylers Blickwinkel ist ganz ein anderer als der von Fritschi. Doch
» auch Wyler findet es «wunderschön» im Gebiet Engstlenalp, insbesondere auf
» der Terrasse des Restaurants der Familie Immer, unweit der geplanten
» Talstation des Sessellifts: Von dort hat man eine atemberaubende Aussicht
» auf die Berner Alpen.
»
» Gute und schlechte Touristen
» Dieses Panorama sollte mehr Touristen zugänglich sein als den wenigen
» Schneeschuhläufern und Skitourenfahrern, findet Wyler. Er mag die
» Einteilung nicht in «guten sanften Tourismus» und «schlechten
» Massentourismus». «Wenn fünf Schneeschuhläufer querfeldein durch den Wald
» laufen, können sie mehr kaputt machen als 3000 Massentouristen auf einer
» geordneten Piste.»

Also mit dem letzten Satz bin ich nicht wirklich einverstanden...okey, die Leute sind auf der Piste "eingesperrt, das heisst, Ihnen wird vorgeschrieben, wo der Weg durchführt" Aber genau das, finde ich, ist doch ein Grund die PIsten zu verlassen. Unberührte Tiefschneehänge zu befahren, Wild zu erschrecken, welches dann eingeht und so weiter. Ich würde sagen, dass die 5 Schneeschuhläufer durchaus weniger kaputt machen als die 3000 Massentouristen.
Naja...meine Meinung zu diesem Projekt ist immer noch dieselbe. Auch als angefressener Snowboarder bin ich doch der Meinung, dass man die Natur so lassen sollte, wie sie besteht. Aber das ist typisch Mensch...unbefleckte Natur muss verbaut werden, auf die Natur und die Umwelt wird keine Achtung genommen...in der Zeit der Kilma-Diskussionen finde ich ein solches Projekt unnötig...

Johannes

Baselland,
03.03.2008, 21:27

@ El Corazon
 

Widerstand gegen Schneeparadies

» Also mit dem letzten Satz bin ich nicht wirklich einverstanden...okey, die
» Leute sind auf der Piste "eingesperrt, das heisst, Ihnen wird
» vorgeschrieben, wo der Weg durchführt" Aber genau das, finde ich, ist doch
» ein Grund die PIsten zu verlassen. Unberührte Tiefschneehänge zu befahren,
» Wild zu erschrecken, welches dann eingeht und so weiter. Ich würde sagen,
» dass die 5 Schneeschuhläufer durchaus weniger kaputt machen als die 3000
» Massentouristen.

Imho Quatsch
Dazu ein News-Artikel aus der Basler Zeitung:

Wildruhegebiet für die bedrohten Hühnervögel gefordert
Bern. sda. Auerhühner und Birkhühner erleiden umso mehr Stress, je intensiver ihr Lebensraum vom Wintersport genutzt wird. Vor allem Tourenfahrer und Schneeschuhgänger stören die ohnehin bedrohten Hühnervögel. Jetzt werden Wildruhegebiet gefordert.

Zieht ein Tourenfahrer seine eleganten Bögen im Schnee zu nahe an einem Auerhuhn, hört man das klatschende Geräusch eines auffliegendes Tieres. Diese Art der Flucht braucht besonders viel Energie, und die ist im Winter knapp, wie einer Mitteilung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach zu entnehmen ist .

Dass der Wintersport für Wildhühner problematisch ist, vermutete man schon lange. Ein Forschungsprojekt der Schweizerischen Vogelwarte sowie der Universitäten Bern und Wien erbringt nun den Beweis: Derartige Störungen der bedrohten Tiere sind mitverantwortlich für den Rückgang ihrer Population.


Schutz gegen Störungen im Winter

Auerhühner und Birkhühner leben vegetarisch. Im Winter nehmen sie mit Nahrung Vorlieb, die nicht vom Schnee zugedeckt ist. Sie fressen deshalb Nadeln von Tannen und Fichten. Diese enthalten aber nur wenig verwertbare Energie. Deshalb müssen die Hühner Energie sparen und ihre Aktivität auf ein Minimum beschränken.

Aber nicht nur die verschreckte Flucht ist belastend. Sind Menschen in der Nähe, produziert der Vogelkörper auch ohne Flucht mehr Stresshormone. Erhöhte Konzentrationen von Hormonen belasten den Stoffwechsel und führen zu einer schlechteren körperlichen Verfassung.

Deshalb brauche es einen Schutz der Lebensräume von Wildhühnern gegen Störungen im Winter, schreibt die Vogelwarte. Ein Nebeneinander sei möglich. Unter Umständen reiche der Verzicht auf Strassen oder befahrbare Wege. In anderen Fällen brauche es Verbote für das Betreten oder Wegegebote. In einigen Kantonen gebe es bereits nützliche Wildruhegebiete.


Wenn man also wirklich was für die Tiere machen will, muss man das Gebiet im Winter Sperren.

Andreas

E-Mail

07.03.2008, 23:07

@ El Corazon
 

Widerstand gegen Schneeparadies

» Naja...meine Meinung zu diesem Projekt ist immer noch dieselbe. Auch als
» angefressener Snowboarder bin ich doch der Meinung, dass man die Natur so
» lassen sollte, wie sie besteht. Aber das ist typisch Mensch...unbefleckte
» Natur muss verbaut werden, auf die Natur und die Umwelt wird keine Achtung
» genommen...in der Zeit der Kilma-Diskussionen finde ich ein solches Projekt
» unnötig...

Da bin ich ganz Deiner Meinung. Wir hätten uns um anderes zu kümmern, als
die letzten unverbauten Täler des Berner Oberlandes zu verbauen. Wieviele
sind es noch?
Es bleibt zu hoffen, dass die Behörden, mit Hilfe der Naturschutzorganisationen
dieser Planung ein Ende setzen.

Der Hasliberg hat schon genug Probleme mit sich selber: Die grossen Türme
mit den Schneekanonen drauf, zwischen Mägisalp und Bidmi sprechen für sich...
Im Sommer lasse ich mich dort nicht mehr blicken. Da kenne ich schönere, unverbaute
Gegenden.

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